Bild- und Textbeiträge / Publikationen

 Ausstellungen

Referate / Jurytätigkeit

 

 

Eigene Publikation

 

– Fotobuch «Das Gesicht der Schweiz»

(LIT-Verlag Baden, 1987)

 

Bild- und Textbeiträge in

 

«100 Jahre Schweizer Grafik»

Museum für Gestaltung Zürich

(Lars Müller Publishers, 2014)

 

«Chaumont International» – 24e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2013)

 

«One by One» – hesign (Publishing & Design, 2011)

 

«Letters Only» Poster Collection 22

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung

(Lars Müller Publishers, 2010)

 

«21st International Poster Biennale, Warsaw 2008»

(Ausstellungskatalog, 2008)

 

«Chaumont International» 19e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2008)

 

«Breaking the Rules» Poster Collection 15

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung

(Lars Müller Publishers, 2007)

 

«Chaumont International» 18e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2007)

 

«IPT 2006» The 8th International Poster Triennial

in Toyama (Ausstellungskatalog, 2006)

 

«Keine Kunst» 100 Beste Plakate 05

(Ausstellungskatalog, 2006)

 

«Lahti Poster Biennial 2005» 15th International

Poster Biennial (Ausstellungskatalog, 2005)

 

«Chaumont International» 15e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2005)

 

«Chaumont International» 14e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2004)

 

«Lahti Poster Biennial 2003» 14th International

Poster Biennial (Ausstellungskatalog, 2003)

 

«Golden Bee 1 – Internationale Biennale für

Graphic-Design, Moskau (Ausstellungskatalog, 2002)

 

«Posters for Exhibitions 1980–2000»

Poster Collection 03

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung

(Lars Müller Publishers, 2001)

 

«Qui commande?» 12e festival d'affiches

de Chaumont (Ausstellungskatalog, 2001)

 

«Benzin» Junge Schweizer Grafik

(Lars Müller Publishers, 2000)

 

«Hochparterre» – Illustrierte für Gestaltung

und Architektur (Ausgabe Januar / Februar 1997)

 

«Typoundso» (Verlag Hans-Rudolf Lutz Zürich, 1996)

 

«Kunstszenen Heute» – Ars Helvetica XII

Die visuelle Kultur der Schweiz (Pro Helvetia

und Bundesamt für Kulturpflege, 1992)

 

«Euphorie und Elend» – zur Arbeit der

Weiterbildungsklasse Visuelle Gestaltung

an der Höheren Schule für Gestaltung Zürich

(Museum für Gestaltung Zürich, 1992)

 

«Hochparterre» – Illustrierte für Gestaltung

und Architektur (Ausgabe August / September 1990)

 

Ausstellungen

 

– Einzelausstellung

«Aarauer Kulturplakate 2003–2006»

Aarau (2007)

 

Ankauf Kunstbesitz der Stadt Aarau 2015/16

Ausstellung im Haus «zum Schlossgarten»

Aarau (2017/18)

 

– Whispering Woods

Der Wald in der zeitgenössischen Kunst

Forum Schlossplatz, Aarau (2017)

 

– Fotoausstellung «Dazwischen»

Fotografien von Peter Frey und Sarah Keller

Aarau (2015/16)

 

«Swiss Posters – from today, yesterday and tomorrow»

Seoul, Korea (2014)

Ausstellungskoordination: Jean-Benoit Levy

 

«Selective Nº

Plakate im Restaurant Hopfenkranz, Luzern (2014)

Ausstellungskoordination: C2F

 

«Letters Only»

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatraum (2010)

 

«Plakat szwajcarski»

Museum Narodowego

Posen, Polen (2007)

 

«Breaking the Rules»

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatraum (2007)

 

– Aargauer Kulturwoche Minsk

Fotoausstellung «Das Gesicht der Schweiz»

Kulturaustausch Aargau-Belarus

Minsk, Weissrussland (1993)

 

– Ausstellungsteilnahme an diversen Plakatbiennalen

(vgl. oben)

 

Referate / Jurytätigkeit

 

– Fachreferat «Grafik im Kulturbereich»

Stapferhaus, Lenzburg (2007)

 

– Fachreferat «Plakate: Fern und Nah»

Ein Tag der Typographie, Freiburg i. Br. (2002)

 

– Diplomjury Studiengang Grafik, F+F Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich (2009)

 

– Jurymitglied «100 Beste Plakate 06 – Deutschland, Österreich, Schweiz», Berlin (2007)

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung «Aarauer Kulturplakate 2003–2006»

Einführung von Peter Erni

an der Vernissage vom 30. März 2007

 

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

 

1.

Im Getümmel der pausenlosen Geräusche über den Lautsprecher, der unbedarften Bilderfluten, der lauen Einfälle und der mickrigen Hirngespinste Aufmerksam-

keit erheischend, zur Selbstverständlichkeit geworden und damit zur Normalität ist mir das Werk des Gestalters Peter Frey ein Ort des Glücks.

Hier von einer wundersamen Insel im Geschiebe kalter Kalküle und liebloser Retortegestaltung zu reden, ist sicher nicht ganz fehl am Platz.

Haltungen bedenkend, Mentalitäten, sind diese Bilder ein möglicher Widerstand gegen das standardisierte Routinegebaren aufgeweckter Ignoranz.

Sie sind die Ausnahme von der Regel, dem Zweckfetischismus ihres Umfelds sind sie eine sanfte Störung; Peter Frey bringt zum Ausdruck, was uns, die wir die Ränder lieben und das Fremde, nach wie vor betrifft.

 

2.

Was der Bildkritik seit der Antike suspekt gewesen ist, hat in den vergangenen Jahren programmatische Tendenz genommen. Nebst den virulenten Tatsachen gibt es die Bilder, nebst den Fakten gibt es deren Darstellung. Nebst den vielen faktischen Realitäten gibt es eine Vielzahl der medialen. Authentizität ist kaum mehr gefragt, der Versuch zur Aufrichtigkeit ist der Lächerlichkeit preisgegeben. Zunehmend seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist das gefällige Bild der Sache weit wichtiger als die Sache selbst. Dem Schindluder sind Tür

und Tor geöffnet. Läuft die jeweilige Kampagne wie geölt, meldet sich das Schlachtvieh freilwillig beim Metzger. Lernbare Techniken, dazu beschaffen, die mentale Konstruktion der Wirklichkeiten manipulativ, den ureigensten Interessen beliebiger Instanzen folgend, zu modellieren, haben ungeahnte Konjunktur. Werbung und Imagepflege, agressive Präsenz auf dem Markt: Alle sind mittlerweile dazu genötigt, im Konkurrenzgerangel mitzuhalten. Keiner ist frei davon, keines kann sich den Zwängen zur medialen Überhöhung entziehen. Was das Wort

«Realität» bezeichnet, ist zu einem zwitterigen Unding geworden.

 

3.

Plakate sind Mittel zum Zweck, sie stellen sich in den Dienst einer Sache und haben für diese Aufmerksamkeit hervorzurufen. Blickfang und Augenweide, verführerisches Bildgeschehen im Grossformat: Plakate stehen in stetiger Konkurrenz zu ihresgleichen. Des weiteren haben sie sich sowohl gegen den schrillen Signal- und Zeichensalat stadtähnlicher Agglomerationen zu behaupten. Mit den munteren Wurstigkeiten dessen, was über die Bildschirme schlampert, stehen sie in einem Wettstreit.

        Im Zuge des Mentalitätswandels der späten 80er Jahre – ich rede von den Folgen der digitalen Revolution und von Neuerungen, die sich unter anderem

in der Tendenz zur Erlebnisgesellschaft und in der Entdeckung des ästhetischen Mehrwerts äusserten – übernehmen die Plakate zunehmend Aufgaben der ausschliesslichen Image-Pflege. Aktive Unternehmen der Wirtschaft, seit den 90er Jahren aber auch die sozialen, politischen und kulturellen Einrichtungen,

nutzen die Möglichkeiten der visuellen Kommunikation, unverwechselbare und einprägsame Bilder ihrer selbst zu entwerfen. Fluide Erlebniswerte treten

hierbei an Stelle überprüfbarer Qualitäten. Die Akzeptanz des schönen Scheins wächst mit der fieberigen Agressivität medialer Exaltiertheit. Der Flucht in

die Enklaven künstlicher Paradiese sind taugliche Vehikel bereit gestellt. Auch

die Städte, deren Departemente, die Parteien, Verbände und Organisationen:

Sie suchen, zwecks Selbstfindung, zwecks Selbstbehauptung und zwecks schaubarer Präsenz im öffentlichen Raum, der Ausrichtung und der Modalität eigenen Bemühens betörende Kontur zu verleihen. Insofern wird subito deutlich, woher es rührt, das aktuelle Kulturplakat.

 

4.

Damit uns im Rummel medialer Zumutungen der Austausch zwischen

den Menschen nicht zur blossen Farce wird, ist deshalb Skepsis, sind deshalb kritische Akteure vonnöten, die Zwecke bedenken und adäquate Mittel

zu deren Umsetzung bereitstellen. Marktingstrategen hätten sonst das Sagen, Technokraten der neuen Unvernunft dirigierten uns und unser Wünschen.

        Wie ich aus anderer Erfahrung weiss, ist es keineswegs selbstverständlich, dass die Behörde städtischer Gemeinden jedesmal zum differenzierten und kundigen Entscheid findet. Dass sich die Kulturstelle der Stadt Aarau mit Sachverstand und Intuition für  bildnerische Mentalitäten entschieden hat, die befähigt sind, hiesiges Kulturgeschehen authentisch darzulegen, lässt dort waches Engagement vermuten. Wir, die Angesprochenen der Plakate, bedanken uns hierfür bei der Behörde, wir bedanken uns bei der Kulturstelle und bei

der Kunstkomission, die den heutigen Anlass in die Wege leitete.

        Aarauer Kulturplakate: In den späten 90er Jahren ist ein Auftrag, der Summe städischer Kultur Ausdruck zu verleihen, an Rose Müller gesprochen worden. Während den angrenzenden vier Jahren war Peter Frey mit der schwierigen Aufgabe betraut, Rand und Mitte, Traditionsbeflissenheit und anarchischen Eigensinn hiesiger Regungen unter einen Hut zu bringen. Die Autorin und der Autor, die Gestalterin und der Gestalter wir, die Angesprochenen, bedanken uns für die stimulierende Irritation auf den Plakatwänden, wir bedanken uns für die virulente Zuversicht der hellen Bilder.

 

5.

Peter Frey absolvierte den Vorkurs, die Fachklasse für Grafik und die Weiter- bildungsklasse für visuelle Gestaltung in Zürich: Die Einflüsse der Schweizer Grafik, jener Tendenz also, die bildnerischem Geschehen nach 1945 weltweit zum Richtwert geworden ist, sind zumindest aus Fachoptik in seinem Werk unübersehbar. Freilich handelt es sich hiebei nicht um eine gradlinige Fortsetzung dessen, was Vivarelli, Lohse, Ruder und Müller-Brockmann propagiert haben.

Aber die Intensität der Bearbeitung, gestalterische Ethik – man gibt sich Rechen-

schaft für wen man arbeitet und was man vorantreibt vor allem aber der heuristische Umgang mit den Rohstoffen und dem Halbzeug der Gestaltung, sie finden ihr Leitbild bei den Grossen jener Zeit. Die Rede ist von den Verfahren, Techniken, Algorithmen mit dem Zweck, gestalterische Neuländer zu erschliessen. Wenn momentan im Rahmen der Fachhochschulen von angewandter Forschung geredet wird hier hätten wir deren gültiges Paradigma.

        Schichtung, Reihung, Repetition: Peter Frey ist Monteur, Konstrukteur,

er recherchiert auf der Ebene elementar-gestalterischer Repertoires, er wählt und fügt die Segmente seiner Wahl zur berührenden Ganzheit. Auf eine Kontrolle

der Wirkungen bedacht, gehört er zur kleinen Schar jener Ingenieure des Bildes, die detailbesessen, den Stellenwert der Feinstordnung, der Kleinstordnung

im plakativen Ganzen reflektieren. Hinzugekommen zur Schweizer Grafik, und das macht die Differenz, ist ein unermesslicher Erfindungsreichtum in dieser Mikrozone des Entwerfens. Rückwirkend nimmt sie Einfluss auf die Fernwirkungen der Plakate.

        Freys Montagen lassen eine Lektüre aus der Nähe wie eine Lektüre

aus Distanz zu. Aus mittlerer Entfernung betrachtet, geht die feste Gestalt seiner Bildgegenstände in Brüche. Die Konturen brechen auf, Ambivalenz tritt an Stelle obsoleter Eindeutigkeit. Jeder Bildgegenstand zeigt seinen oszillierenden Mikrokosmos, jede Fläche des Plakats zeigt die Vielgestalt ihres Eigenlebens. Peter Frey vitalisiert seine konkreten Bildgegenstände. Typografie als Bild:

Die typografischen Segmente, die verbalen Anteile seiner Plakate werden damit

zu Gegenständen der faszinierenden Bilder.

        Der Umgang mit den gestalterischen Potenzen ist hierbei nüchtern, sachlich und streng. Die Plakate zeigen, dass heterogene Vielgestalt, so etwa jene

der vielen kulturellen Äusserungen der Stadt Aarau, durchaus zur authentischen Darstellung im Rahmen eines Weltformats gelangen kann.

Grosse Plakatkunst also, ein sinnliches Vergnügen. Zahlreiche Auszeichnungen sind dem Gestalter zugesprochen worden sinnigerweise zumeist im Ausland.

 

6.

Peter Frey, der excellente Typograph: Die berührende Gestaltung der Schallplatten- hüllen für Markus Eichenberger, die Beschriftungen der Stadtbibliothek

in produktivster Zusammenarbeit mit Susanna Stammbach. Und Peter Frey, der Fotograf, dem fremd erscheint, was uns zur Selbstverständlichkeit geworden

ist: Seine Fotografie zeigt ein anderes Gesicht der Schweiz. Sie erörtert unsere Borniertheit, das reale Rahmenwerk des Stammtischwesens und das reale Rahmenwerk des Biergebrabbels und die Beschaffenheit der Engnis, in der wir wohlbehütet sind.

Wir würden uns freuen nein, wir freuen uns darauf, dass auch diese seine Bilder in einer Ausstellung publik werden.

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